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In the Asylum

Wären wir doch nur in England geblieben, da hätte wenigstens das Wortspiel mit asylum funktioniert – es steht sowohl für „Asyl“ als auch für „psychiatrische Anstalt“. Bei ersterem wird man irgendwann ausgewiesen, in Letzteres eingewiesen. (Humor/Asyl ist, wenn man trotzdem lacht/weint.) Ein gewisser Hauch von Ironie umgibt auch die Weltbürgerlichkeit der einheimischen Menschen hier - wer es sich leisten kann (oder auch nicht) zieht samt Kind und Hund an die Costa Brava, nach Guatemala oder Südafrika, glorifiziert oder lächerlich gemacht mit zahlreichen Auswandererdokumentationen.

Deutschland hat zu wenig Kinder, Fachkräfte und der Osten auch zu wenig Frauen. Was liegt näher, als der Familie einer Universtätsprofessorin und eines Energietechnik-Ingenieurs mit fünf Kindern, davon 60 Prozent weibliche, die allesamt die deutsche Sprache fließend beherrschen, die Staatbürgerschaft zu erteilen? Nun, leider nimmt uns Deutschland nicht. Mein Vater verdient keine 80.000 Euro im Jahr (die offizielle Grenze für ein unbegrenztes Arbeitsvisum), vielleicht gerade mal ein Viertel davon und meine Mutter bekommt weder eine Lehrerlaubnis an Gymnasien noch an Hochschulen – natürlich, weil sie Ausländerin ist. „Es gibt da Gesetze...“ - aber auch den Unwillen vieler.

Ist es zu begrüßen, wenn Sachsen und Brandenburger einmal monatlich in die Tschechische Republik oder Polen fahren, um billig einzukaufen, aber sich nicht die geringste Mühe geben, auch nur ein einziges Wort der jeweiligen Landessprache zu lernen? Es wird einem durch zahlreiche Schilder ja nicht schwer gemacht. Man geht indisch essen, schaut Bollywood-Filme auf RTL2, spendet für Waisenhäuser und wünscht sich eine Bräune wie Aishwarya Ray. Aber ein Namaste geht keinem über die Lippen.
Ein Imbiss beim Dönerstand ist schnell besorgt und noch schneller hinuntergeschlungen, aber es sind „die faulen Türken“ die das Sozialsystem aushöhlern.

Jeder, der Urdu, Mandarin oder Kyrillisch gelernt hat, weiß, wie es sich anfühlt, von zwar bekannten, aber keinesfalls vertrauten Schriftzeichen umgeben zu sein. Leider vergessen es die meisten zu schnell.

Ich wünsche jedem, der grundsätzlich gegen Einwanderung ist, dieses Gefühl des Nicht-Willkommen-Seins im nächsten Mallorcaurlaub zu spüren bekommen.

Wir sind keine Asylanten, dafür danke ich Gott jeden Tag. Wisst ihr, unter welchen Bedingungen Asylsuchende leben müssen, sobald sie in dem „freien Land“ angekommen sind?

85% der Anträge werden abgelehnt, manchmal erst nach zerreißenden Jahren der Ungewissheit und sozialen Rechtlosigkeit. Bei Inländischen Fluchtalternativen, Hungersnöte, Naturkatastrophe, bloßer mehrtägige Inhaftierung, allgemeiner Bedrohung, Gefährdung durch Splittergruppen und teilweise auch bei Bürgerkriegen besteht kein Asylgrund. Man kann jederzeit gewaltsam ausgewiesen werden. Das ist keine Polemik, das ist Fakt.

Gewalt durch Nicht-Regierungstruppen? Suchen Sie doch bei ihrem Staat um Unterstützung. Mehrfache Vergewaltigung? Beweisen Sie das erstmal. Todesdrohungen auf Grund von Homosexualität? Das kann doch nicht sein. Um Haaresbreite den Häschern entkommen? Da hätten Sie aber ihre Papiere mitbringen müssen. Zwangsheirat? Das ist in Ihrem Kulturkreis doch Gang und Gebe.


Ich bin es gewohnt, mich überall anpassen zu müssen. Man ist so kulturgeschockt (weil man im Gegensatz zu Austauschschülern weiß, dass der Umzug letztendlich nicht temporär ist und man keine Organisation zur Stütze hat), dass man vergisst zu verzweifeln. Ich wusste beim ersten Einkauf in Deutschland nicht, was Schnäppchen, Küchenpapierrollen oder Stiftung Warentest sind.

Ein Missverständnis sollte nicht aufkommen: Es gibt Missbrauch der Bestimmungen - Schlepper, Menschenhändler, Extremisten, die die Aufenthaltregelungen für ihre Zwecke nutzen. Natürlich sollten Anträge überprüft werden. Aber Ethik und Menschenrechte sollten das höchste Kriterium darstellen. Damit die Menschen sollte ihnen Individualität und Selbstständigkeit zugebilligt werden.

Zählt es nicht, dass Deutschland meine Heimat ist?
Vor Rechten habe ich keine Angst, gegen die gibt es genügend Kampagnen. Aber die Einwanderungspolitik macht mir Sorgen.

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