Me, Myself and I(ntegration)

Freitag, 21. September 2007

Ramadan-Köstlichkeiten

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Montag, 17. September 2007

Ich, ohne Schnörkel

Ihr kennt mein Innerstes nicht, nur meine Worte erzählen von meinem Leben. Aus ihnen könnt ihr meine Ansichten herauslesen und meine Persönlichkeit interpretieren. Ich möchte zum Denken anregen, doch am meisten verändert das Schreiben meine eigene Weltsicht und mein Lebensgefühl.
Woher wollt ihr eigentlich wissen, dass ich nicht lüge? Ihr habt nur meine Versicherung der Wahrhaftigkeit. Durch Subjektivität wird Wahrheit verzerrt – etwas anderes kennen wir Menschen sowieso nicht. Nur Gott sieht unsere Herzen. Denn es sind nicht die Taten (die erzwungen sein können), die uns definieren, auch nicht die Träume (die von Beeinflussung geleitet sind) sondern unsere tiefen, ernsten Gedanken.
Ihr kennt mein Gesicht nicht, nur meine Augen zeige ich euch. Der Rest ist von Tschador(Kopftuch) und Niqab(Gesichtsschleier) verdeckt.
Das ist jedoch kein politisches oder religiöses Statement, vielmehr eine Vorsichtsmaßnahme. Ich verstecke mich nicht vor der Öffentlichkeit, aber wozu müssen meine Leser mein Gesicht sehen? Meine Sätze sind aussagekräftiger.
Ich trage kaum Kopftuch(und schon gar nicht den Niqab), denn ich habe keine Angst vor irgendeiner Seite.

Ich komme nicht aus einer sehr wohlhabenden Familie (der Mittelschicht zugehörig, wie man sagt) und habe früh Genügsamkeit und Dankbarkeit als Tugend angenommen. Gottes Gnade durchdringt jede Lebenssituation. Wie wir mit den Ereignissen umgehen, formt unser Lebensgefühl. Das kann von Resignation geprägt sein, aber man kann, wie ich, in jedem Umstand das Positive sehen ohne dabei die Augen vor schlimmen Dingen zu verschließen oder grenzenlosem, unüberdachtem Optimismus zum Opfer zu fallen. Wir haben keine andere Möglichkeit, als uns dem Leben anheim zu geben.
Ich bin bereit für meine (nicht nur religiösen) Überzeugungen zu sterben, allerdings nur passiv (z.B. um jemanden zu schützen), keinesfalls aber aktiv als Suizidattentäterin. (Ich habe jedoch keine Absicht irgendein Leben zu beenden.)

Ich bete fünf bzw. drei Mal täglich, verrichte das Ramadan-Fasten und werde bald die Hajj vollziehen. Zusätzlich führe ich noch andere Gebete aus und faste zu empfohlenen Gelegenheiten. Ich gebe Almosen, sofern es die Situation erlaubt, entblöße mich nicht und arbeite stetig daran ein besserer Mensch und Gottesdiener zu werden. Damit ich das erfülle, was der Qur'an vorsieht: Dass „der Islam die beste Gemeinschaft hervor[gebracht]“ hat.

Sollte ich mich in einigen Punkten irren, dann wird Gott mir hoffentlich verzeihen, da er in unsere Herzen sieht, unsere Taten abwägt und so herausfindet, dass ich es nicht aus Trotz und absichtlichem Ungehorsam tat.
Jinns, die kleinen Gewissensteufelchen, sind nicht satanisches Ergebnis des abendländischen Einflusses.
Allah leitet recht, wen er will und führt in die Irre, wen er will.

Samstag, 15. September 2007

Ramadhan!

Am 13.September begann der diesjährige Fastenmonat Ramadhan.

Meine Mutter fastet nicht, da sie im neunten Monat schwanger ist - und Schwangere, Stillende, Kinder (nicht im islamischen Sinne volljährige, also nicht geschlechtsreif), Greise, Kranke, mental Gestörte, Schwerstarbeiter und Reisende sind nicht verpflichtet, auf das Essen und Trinken tagsüber zu verzichten*. Zwischen Sonnenaufgang und Abenddämmerung darf nicht einmal ein Kaugummi ode reine Zigarette in den Mund genommen werden - auch Geschlechtsverkehr ist verboten. Normalerweise gelten letztere Restriktionen auch nachts.

Viele können sich nicht vorstellen, wie es zu schaffen ist, zehn Stunden oder länger weder zu trinken noch Nahrung zu sich zu nehmen. Ich gebe zu, wer einmal in Ägypten oder im Libanon um Sommer war, weiß, wie dehydriert man sich am Abend fühlt. Aber in Ländern wie Deutschland ist es verhältnismäßig angenehm. Anber es geht schließlich um Selbstbeherrschung.
Obwohl das Ramadhanfasten kein Fasten im eigentlichen Sinne ist, da man abends das Fastenbrechen mit einigen Datteln und einem anschließendem großen Mahl begeht, nimmt man doch in der Regel einige Kilo ab, weil man niemals mehr als 1200Kalorien auf einmal essen könnte.[Im Nahen/Mittleren Osten häufen sich abe rimmer Abfalberge an überflüssigem Essen an!] Da ich meist früh zu müde bin auf Grund des bis spät in die Nacht dauernden Abendessens, verzichte ich auf das Frühstück.

Es setzt die Leistungsfähigkeit nur bedingt herab, die Konzentration ist kaum gemindert. Im Gegenteil: Nach einigen Tagen fühlt man sich befreit und besonders aufmerksam.

Wer sich ein Bild machen möchte, kann es ruhig ausprobieren. Da man, anders als bei einer Diät, sich auf den Abend freuen kann und weiß, dass es dann etwas reichhaltiges gibt, sollte es leicht möglich sein, so lage durch zu halten.

Muslime sind angehalten, sich nicht der Völlerei zuzugeben. Es wird berichtet von Muhammad, dass er meite, der Magen solle mit einem Drittel Nahrung, einem Drittel Wasser und einem Drittel Luft gefüllt sein. Man sollte nichts tun, um seinem Körper zu schaden, daher auch das Verbot von Tatoos, die Hygienevorschriften und das Gebot, auf seine Aktivität und Ernährung zu achten.

Fast Food ist nicht gerade eine Sünde, aber es sollte im Alltag vermieden werden. Das typische arabische Essen wird sehr lange und aufwendig gekocht, in Ägypten ist es sehr zucker- und fetthaltig, so dass man nur wenig davon essen sollte. Sonst werden aber sehr viel Obst und Hülsenfrüchte verzehrt. Für den geschmack sorgen intensive Gewürze, so dass man nciht so viel Butter, Zucker oder Salz verwenden muss.

Es gitb auch andere Empfehlungen für das Fasten. Nicht nur zu Ramadhan sollte man die Ernährung einschränken, sondern auch mehrmals pro Monat im Rest des Jahres. Daran hält sich allerdings kaum jemand.
In unserer familie gibt es freitags nur Säfte und Wasser über den Tag verteilt.

Wem es nicht möglich ist, diesen Monat, der nach dem Mondklander berechnet wird und so durch das Jahr wandert, zu fasten, der soll entweder die verlorenen Tage nachholen oder einen Monat lang einen Armen verköstigen.
Als wir noch in England lebten, haben wir jedes Mal an Oxfam eine Spende entrichtet. In Deutschland bleibt uns nicht genügend Geld dafür.
Ramadhan ist ernährungsbezogen nicht billiger, da wir nur biologische oder fair gehandelte Produkte verwenden, was das Erlebnis intensiviert.

Man hat sicher jeder schlechten tat (Lüge, Bosheit, Beleidigung) und lustbringenden Aktivität zu enthalten.
Ramadhan, was übrigens "brennende Hitze" bedeutet, dauert 29 tage. Am 27. feiert man die leilat-al-qadr, die Nacht der Macht, der Offenbarung des heiligen Qur'ans, wie in Sure 97 erwähnt. Ende der Fastenzeit stellt das eid ul-fitra (ich habe mir sagen lassen, Schüler der deutschen Ethikunterrichtes lernen es als "id al-fitr" kennen, türkisch "sheker bayrami")dar, das "kleine" Fest, im Vergleich zum "großen" Opferfest. Es dauert drei tage und ist ein äußerst freudiges Ereignis. Möglicherweise ist es vergleichbar mit dem jüdischen Purim, allerdings ist die Geschichte eine ganz andere.
In dieser Zeit werden auch viele Almosen und er Pflichteil (zakat) entrichtet, was zu Missbrauch und Ausnutzung in einigen Ländern geführt hat. Wir spenden beispielsweise an die Tafel in unserem Stadtteil, da sie uns damals auch untertstützt hat, und an das Deutsche Rote Kreuz. Mein Vater geht dann auch immer Blutspenden.

Ramadhan ist eine der fünf Säulen des Islam, neben salat (Gebet), zakat (Pflichtsteuer), haj (Pilgerfahrt) und shahada (Glaubensbekenntnis la ilah la allah**)

Das Herz ist geöffnet für die Anbetung. Man fühlt sich Gott näher.

*Auch Menstruation soll das Fasten ungültig machen, diese Einschränkung ist aber verrückt [und wohl nachträglich durch die "Jurisprudenz" Fiqh eingeführt worden], da die Periode einmal monatlich eintritt und der Ramadhan 29Tage dauert!
** Das ihr nicht laut vorlesen solltet, wenn mindestens zwei Muslime hinter euch sitzen ;-)

Donnerstag, 6. September 2007

Nachtblumen

Natürlich gehen auch muslimische Ehepaare Essen. Und natürlich, da auch wir keine erwachsenen Kinder zur Welt bringen, braucht man dann einen Babysitter für die Kleinen.

Viele wünschen sich ja einen Sohn als Erstgeborenen. Aber das ist sehr unökonomisch, ja ineffizient gedacht. Töchter sind viel praktischer, im buchstäblichen Sinne. Die Mutter hat eine Haushaltshilfe, und man(n) muss nicht mehr auf Polygamie zurückgreifen, wenn die Frau jemand zum Reden oder zur Unterstützung möchte.

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Wenn man dann nun klugerweise eine älteste Tochter hat, steht den Ausgeh-Plänen nichts im Weg.

Klein-Leyla ist eigentlich ein sehr unkompliziertes Kind, wie auch meine anderen Geschwister. Rasheed sitzt den ganzen Tag auf dem Bett, liest (populär)wissenschaftliche Physikbücher und macht dabei ein unglaublich ernstes Gesicht für einen Zwölfjährigen, ich nehme an er wird einmal Teilchenphysiker, während Faysal - wunderbar pubertäre 14 - am liebsten Computer spielt. Ich fürchte, der damit verbrauchte Strom wird der größte Posten auf der Nebenkostenabrechnung sein.

Der Wetterbericht ist gerade zu Ende und ich beschließe, einmal nach dem Rechten zu sehen.

Leyla, mit der ich ein Zimmer teile, sitzt über ein Buch gebeugt auf dem Boden. Erstaunlicherweise trägt sie bereits einen Schlafanzug. Sie scheint die selben Gene wie ich geerbt zu haben, denn ihr kommt jegliches Temperaturempfinden abhanden. Das ist aber sehr gut, denn so brauchen wir mein Zimmer kaum zu heizen. Andererseits hat sie einen extrem niedrigen Blutdruck, so dass ich sie schon manchmal morgens neben ihrem Bett gefunden habe. Sie sollte einfach nicht so schnell aufstehen, das sage ich ihr jedes Mal. Sie kommt, was das Lesen betrifft, nach ihrem älteren Bruder. Moment einmal...Was kann ein Vorschulkind schon lesen? Anscheinend hat Leyla das selbst bemerkt, denn sie schaut mich verzweifelt an. Selbst schuld, wenn sie versucht, Effi Briest zu lesen, meine aktuelle Schullektüre. Also gehe ich mit ihr noch einmal die Buchstaben durch, wir lesen gemeinsam einige Seiten eines vollkommen sinnlosen Kinderbuches. Als Baby hat sie die ganze Zeit geschrieen, vielleicht hat ihr die Fahrt von England nicht gut getan, ich weiß es nicht.
Ich werde schon müde, wenn ich an diese Episode denke. Auch Leyla, deren Name Nachtblume bedeutet, was den Titel des Beitrages erklärt, fallen die Augen zu und ich muss das dünne Kind wieder einmal ins Bett tragen. Ich glaube nicht, dass ich dem Alter auch aussah wie ein Kriegsflüchtling. Hoffentlich nimmt sie bald etwas zu, wählerisch beim Essen ist sie ja nicht.

Aus Faysals Zimmer dringen lautere Geräusche. Ein Computerspiel, wie konnte es anders sein. Nur handelt es sich nicht um ein harmloseres Strategiespiel, sondern um einen Shooter. Einige muslimische Experten verdammen Fernseher und Computer als Portale für die teuflischen Jinns. Als auf dem Bildschirm meines Bruders wieder Blut aufspritzt, bin ich sogar geneigt ihnen zu glauben.
"Wie lange willst du noch spielen?" frage ich ihn, in einem Versuch versöhnlich zu sein. Es fuktioniert wider Erwarten, er wird nicht agressiv.
Möglicherweise reicht ja das Aggressionspotenzial des Spiels. Oder er ist zu abgelenkt um zu diskutieren.
"Bis ich müde bin." Ich höre Erschöpfung aus seiner Stimme. Ego-Shooter sollen bei Chirurgen die Feinkoordination verbessern, heißt es. Faysal wird allerdings wohl kein Arzt.
"Wie heißt das Spiel?"
"Call of Duty" Beruhigend. Ohne Jugendfreigabe: Noch nicht mal ich könnte es regulär kaufen. Nicht, dass ich das Bedürfnis hätte.
"Es ist ab 18, stimmts? Glaubst du wirklich, du solltest diese Menschen virtuell erschießen?" Er murmelt was von einem Auftrag.
"Und wer hat dir diesen Auftrag erteilt? Ein fiktiver General. Möchtest du ein Söldner sein, Faysal? Möchtest du im Dreck liegen und Menschen abknallen? Was denkst du, was die Soldaten im Libanon gemacht haben, im Irak, du weißt es!"
Er dreht sich herum, sieht mich mit großen Augen an. Es ist wunderbar, dass er Respekt vor seiner großen Schwester hat.
"Aber was sagt Allah dir? Frieden, befiehlt er!" Ich bin zu müde, um irgendwelche Suren zu zitieren ("Wer einen Menschen tötet, dann ist das wie das Töten der gesamten Menschheit").
Faysals Augen weiten sich noch mehr. Er dreht sich wieder zum Bildschirm, doch anstatt weiterzuschießen, beendet er das Programm.
"Ich werde um Vergebung bitten."
"Ja, das solltest du wohl. Vergiss nicht, deinen Freund mit einzuschließen, der dir das Spiel geliehen hat. Und wasch dir die Hände."

Als ich mich umblicke, sehe ich Rasheed auf seinem Bett tief und fest schlafen, ein Buch aufgeschlagen auf seinem Bauch. Es ist fast ein Wunder, dass er bei dem Lärm schlafen kann.

Es ist so einfach. Manchmal aber auch nicht.

Montag, 3. September 2007

Vom Reinigen eines Gebetsteppiches

Die Tür zu Rasheeds Zimmer steht offen. Sein Spielzeug liegt auf dem Boden verstreut, wie immer. Das ist verdächtig, nicht wegen der Unordnung, sondern weil er nicht drin ist. Aus dem Bad dringt ein seltsames Gluckern an mein Ohr. Ich stoße die Glastür auf, Brüderchen erschrickt, quiekt, lässt den nassen Sack in seiner Hand in die Dusche fallen. Mein Blick wandert zu dem dunklen, schweren Stück Stoff. Ein Gedanke schießt durch meinen Kopf, ich kann das Etwas identifizieren. Es ist einer der Gebetsteppiche. Ich mache hektisch einen Schritt vorwärts, um meinen Bruder an der Schulter zu fassen. Er beginnt zu weinen. Ich fische den Teppich aus der überquellenden Wanne - das erklärt, warum langsam das Wasser durch meine Socken dringt - und begutachte ihn vorwurfsvoll. Wenigstens ist es nicht der teure und antike, der uns mal geschenkt wurde, sondern einer der neuen, wahrscheinlich aus Massenproduktion, aus Bangladesh oder Indonesien, wie ich meine. Aber Gebetsteppich ist Gebetsteppich. Der hier ist schmutzig - ich nehme nicht an, dass Rasheed ihm das Schwimmen beibringen wollte - und, vielleicht noch schlimmer, befindet sich im Badezimmer. Es ist nicht unbedingt religiös erwünscht (was für ein Euphemismus...), heilige Dinge (Qur'an, Schmuck mit Suren darauf, Teppiche etc.) in einen so unreinen Raum wie das Bad zu bringen. Natürlich ist das Bad nicht schmutzig per se (beispielsweise wenn meine Mutter es geputzt hat - ähm, ein Scherz, ihr versteht?), sonst hätte ja eine rituelle Waschung wenig Sinn. Jedenfalls, wir standen im Bad, der Junge triefend vor Tränen, der Teppich triefend vor Nässe und Schampoo.
"Was hast du gemacht, Rasheed? Was soll der Unsinn?" Ich war so aufgebracht, dass ich ins Arabische zurück fiel, was eigentlich sehr paradox ist, da ich es seit meinem achten Lebensjahr nicht mehr gesprochen habe. Vor Kurzen habe ich angefangen, mein Vokabular zu verbessern, mit 7 konnte man eben noch nicht so viel über Kunst und Wissenschaft reden, mit dem Erfolg, dass es sich mindestens um den Begriff für "Ungläubiger" erweitert hat.

"Ich habe...ich...ich habe Kakao verschüttet..." Er ist, wenn er nicht angeben muss, ein sehr liebenswürdiger, zarter Junge. Nun hat er es eben geschafft. Ich fürchte, er könnte auch in Mekka eine Massenpanik auslösen. Vielleicht nicht mit Schokomilch, aber wer weiß...
"Komm, ich gehe in die Küche und du wischst hier auf."
"Das geht nicht, das Waschbecken ist voll."
"Bist du nicht dran mit Geschirr wegräumen...? Oder ist dir der Kakao in den Weg geraten?"
Er murmelt irgendetwas unverständliches, vielleicht türkisch, hebräisch, Hindi oder irgendeine andere Sprache, die ich nicht verstehe. Vielleicht war es auch nur Verlegenheit.
Nun mussten wir uns beeilen. Ich schrubbe den Teppich, während Rasheed das Bad wischt. Der Kakaofleck geht raus, mein Brüderchen ist weniger erfolgreich, besonders weil das Schampoo viel Schaum bildet. Wir lassen das Aufräumen also sein und begeben uns auf den Balkon, um die Gebetsunterlage mit Priorität sowie sämtliche Badvorleger trocken zu föhnen. Natürlich riecht es nach drei Minuten verbrannt, diese dummen Kaffeeherstellerföhne taugen nichts.

Rasheed beseitigt das Chaos, räumt den kaputten Geschirrspüler ein (Hoffnungen muss man haben!).
Dann höre ich laute Musik aus dem Zimmer der Jungen. Typisch.
Und wenn Mutter nach ihrem Föhn fragt, ich war es nicht. Taugt nichts, die Billigware.
Aber das Schampoo, das ist klasse. Der Teppich ist sauberer denn je.
Hoffentlich bekommt der Nächste, der darauf niederkniet, keine nassen Beine.

Freitag, 31. August 2007

Ein Intro

fahima1
Klein, kompakt, scharfsinnig.

5 Stunden Beten

Nein, ich verbringe nicht ein Fünftel meines Tages im Gebet. Aber auch nicht in der Disco. Ich habe vor kurzen in einem Studentenmagazin von einem Muslim gelesen, der eben ersteres Tag für Tag tut*. Beeindruckend, aber nicht für praktikabel befunden. Wann lernt dieser Mann eigentlich für sein Studium?

Jedenfalls, da ich schon mehrmals gefragt wurde, und man mich immer mit runden Augen bestaunte, weil er ZDF jetzt ein Info-Forum über den Islam hat (siehe Beitrag morgen) und weil jede zweite TV-Doku Immigrantenfamilien zu begleiten scheint: Interessiert sich irgendjemand (außer mir selbst) für meinen Tagesablauf? Vielleicht spannender als die allseits beliebten Stöckchen über Bettzeug, Kaffeetrinken oder Bücher.

5:00 Aufstehen, Anziehen, Waschen
5:30 Wu'du (rituelle Reinigung für das Gebet), sal'at (obligatorisches Gebet), du'a (freies Gebet)
6:15 Kümmern um Haushalt und Geschwister
6:45 Vorbereitung des "Pausenbrotes" (1 Stück Obst, 1 Portion Salat, 1 Vollkornbrötchen mit Butter oder Nussmus) für Vater und Geschwister
6:55 Frühstück (Grieß, Obstsalat oder Müsli)
7:30 Schulbeginn
12:10 Mittagsgebet auf dem Schulhof (ein wenig unangenehm)
14:30 Hausaufgaben
16:00 Hilfe im haushalt/bei Hausaufgaben der Jüngeren
17:30 Kurse an der Volkshochschule oder Lernen
19:30 kombiniertes Nachmittags und Abendgebet, falls ersteres verpasst (halal = erlaubt)
20:00 Abendessen (etwas traditionelles, wenn meine Mutter kocht, etwas unter Vorbehalt genießbares, wenn ich koche)
20:45 Lernen
22:45 Nachtgebet (manchmal schlafe ich dabei ein, aber das ist den muslimischen Vorvätern/müttern laut Überlieferung auch ab und an passiert)

*Ein grund zum Aufatmen: Dieser Mann hat garantiert keine Zeit für fundamentalistisches Gedankengut. ;-)

Donnerstag, 5. Juli 2007

Sex and ...

Wenn ich schon einmal über Liebesdinge schreibe, sollte ich vielleicht meine eigenen Geschichten erwähnen. Weit sind solche Beziehungen nie gekommen. (Hier müsst ihr euch eine resolut nickende Muslima vorstellen, die zwar modern ist, aber entgegen dem Zeittrend auf ihre Keuchheit bedacht ist.)

Einer meiner Freunde machte sich aus dem Staub, als er erfuhr, dass ich wirklich muslimisch bin - wie er mir erklärte, fürchtete er, dass mein Vater ihn tatsächlich umbringen würde, wenn er etwas herausfände. (In Wahrheit wissen meine Eltern, mit wem ich was mache, stellen mir aber keine Vorschriften, da sie wissen, dass ich vernunft begabt bin.)

Ein anderer war fest entschlossen, für mich zu konvertieren, das scheiterte aber an seinen Eltern - und skurrilerweise am geschächteten Fleisch. (Und am mangelnden Bartwuchs, würde mein Vater lächelnd hinzufügen.)

Der jüngste Versuch scheiterte allerdings auch an "seiner" Familie - wenn man einen Alt-Nazi als Opa und etwas konservative Eltern hat, gestaltet sich so etwas echt nicht einfach.

Dienstag, 19. Juni 2007

Da habt ihr den Salat

Ich bin wirklich keine dieser militant missionierenden Personen, die jeden zweiten Satz mit einer anschuldigenden Frage beginnen.
Oder eine Konvertitin, die jedem Wort supaanallah bzw. alhamdulillah* nachstellt. (Zu eurem Glück, sonst wären meine Blogeinträge sehr unangenehm)

Aber das eine einfache Frage an meinen türkischen Mitschüler eine Grundsatzdiskussion auslöst, hätte ich nicht gedacht.

Und jetzt meine Frage an euch, liebe LeserInnen: Würdet ihr (ohne es nachzuschlagen) die fünf Pfeiler des Islam kennen? Ein Hinweis findet sich bereits in der Überschrift.

*Dazu später mehr.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Dickes Ding

Übergewicht ist ein soziales Stigma, ebenso ein Gesundheitsrisiko.
Die meisten sorgen sich aber grundlos, so bekommt die Wellness/Health-Industrie einen übergebührlichen Aufschwung.
Und durch die gesteigerte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wird nicht etwa die Akzeptanz erhöht, sondern im Gegenteil die Illusion
kreiert, dass dicke Menschen zu dumm zu abnehmen sind - es gibt ja so viele Ratgeber, Trainer und Diäten.

Den sprichwörtlichen Vogel hat aber ein Internetprovider abgeschossen. Er bietet einen Test mit dem Titel "Wie dick werden Sie in Zukunft?" an.
nach Beantwortung von 13 Fragen soll das Risiko für Übergewicht eingeschätzt werden.

Mit einer großen Portion Skepsis gehe ich an den Test. Dreizehn war schon immer meine Glückszahl.
"Wie würden Sie ihre Figur beschreiben?"
Nun, das ist die große Frage. Die Mehrzahl der Frauen wird hier Normal oder Dick angeben, unabhängig von der tatsächlichen Konstitution. Ich entscheide mich für normal.

"Wie dick werden Sie in Zukunft?"
Es wäre vielleicht hilfreich, wenn sich die Medizin entscheiden könnte, was der Hauptfaktor für Übergewicht ist - Gene oder Ernährung. Ich wähle Beide sind schlank - was allerdings impliziert, dass sie dünner sind als ich (die ja "normal" ist) - unfreiwillige Komik.

"Hat sich ihr Gewicht in den Letzten Jahren verändert?"
Ich wäre beunrhuigt wenn nicht, schließlich wachse ich noch (wie die meisten der potenziellen Test-Teilnehmerinnen).

"Wie aktiv sind sie?"
Nur Bauarbeiter und Leistungssportler können hier "Ich komme häufig ins Schwitzen" wählen. Die anderen mögen auch ab und zu eine Schweißperle auf der Stirn haben, die aber eher von der Mathearbeit oder der Aufdeckung einer Affäre herrührt.

"Treiben sie Sport?"
So sehr mich Leute irritieren, die auf eine solche Frage mit etwas anderem als Ja oder Nein antworten - Churchills Motto, Gelegentlich und mindestens drei mal pro Woche waren möglich. Ich treibe sieben bis neunmal 45-120 min Sport.

"Nach einem üppigen Mittagessen, gibt ein Kollege noch Kuchen aus. Was tun Sie?"
- Ich bin satt und verzichte schweren Herzens.
- Ein Stück Kuchen geht immer. Ich greife natürlich zu.
- Ich nehme mir ein Stück und hebe es für später auf.
Äußerst representativ. Was ist hier die Antwort für Gesundheitsbewusste? 1. impliziert Bedauern, 3. bedeutet nicht, dass man effektiv weniger isst als die Kollegen. Ich esse außerdem gar keinen Kuchen...

"Wie oft essen Sie Gemüse?"
Wie bitte kann man weniger als täglich Gemüse essen? Selbst bei Braten ist doch Rotkohl dabei.

"Die Waage geht weiter nach oben?"
Wohin? Wir haben nicht mal ein Obergeschoss. Ehem. Davon einmal abgesehen - warum weiter? Wer hat denn eigentlich behauptet, stetitg zuzunehmen?

Das Resultat - geignet um jede Magersucht zu bestätigen - SIE WERDEN DICK!
Ja, wovon? Von Gemüse, Vollkorn, Obst und Jogurt? Von Muskelzunahme (was mich freuen würde)? Weil mein Gehirn wächst, wenn es nicht auf grund dieses unsinnigen tests davion läuft?

"Ihr Essverhalten und Ihr Lebensstil bieten die besten Voraussetzungen, um stetig zuzunehmen."
Siehe oben. Das ich kein Gerippe bin klar - aber die *besten* Vorraussetzungen? Was bitte ist mit meinem currywurstessenden Nachbarn?

"Wahrscheinlich haben Sie jetzt schon einige Fettpölsterchen zu verzeichnen."
Gegenfrage: Wo ist der (lebende) Mensch mit einem Körperfettgehalt von 0%?

"Ziehen Sie jetzt die Handbremse und versuchen Sie, Ihre Ess- und Alltagsgewohnheiten zu ändern. "
Schon mal versucht, mit angezogener Handbremse loszufahren? Man kommt nicht sehr weit.

"Nehmen Sie zum Beispiel die Treppe, statt den Aufzug und essen Sie gesund."
Meine Güte! Ich jogge 13 km pro Woche, fahre mindestens 1 Stunde Fahrrad, betreibe Muskelaufbautraining und tanze.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal die Rolltreppe oder den Aufzug (vor allem - wo?) nahm. Vielleicht mangelt es meinem Gehirn an Fett...

Underneath the Veil

Denken und Glauben

Wo Verstand ist, da braucht es nicht viele Worte

Nicht jeder, der einen Bart trägt, ist schon ein Weiser. (arab. Sprichwort)

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