Auch wenn Providernews die Bildzeitung unter den Onlinenachrichten sind, möchte ich doch einen skurrilen Artikel von AOL mit euch teilen. Jetzt soll die Sängerin nicht nur ihr Haupthaar, sondern gar ihren Kopf verlieren. Als ich die Überschrift las, musste ich spontan lachen, aber die Ideologie, die letztendlich hinter derartigen Haltungen steckt ist weniger amüsant.
Terrorist will Britney Spears enthaupten
Der Sprecher und Führer der palästinensischen Terrorgruppe "The Popular** Resistance Committees" hat damit gedroht, Britney Spears und Madonna zu enthaupten. Seiner Meinung nach gibt es nur einen Ausweg für die Stars: Sie müssen ihren Lebenswandel ändern und zum Islam konvertieren.
Islamistische Terroristen haben davor gewarnt, Madonna und Britney Spears zu enthaupten, sollten sie weiterhin die "satanistische Kultur“ verbreiten. Der Sprecher und Führer der palästinensischen Terrorgruppe "The Popular Resistance Committees“, Muhammad Abdel-Al, warnt die beiden Popsuperstars mit Morddrohungen. Sollten sie nicht vom bösen Wege abkommen ("Verkaufszahlen ankurbeln, in dem sie sich als Prostituierte darstellen“), würden sie enthauptet.
In dem neuen Buch “Schmoozing with Terrorists: From Hollywood to the Holy Land. Jihadists Reveal their Global Plans - to a Jew!” (zu Deutsch: Tratsch mit Terroristen: Von Hollywood zum heiligen Land. Extremisten verraten ihre weltweiten Pläne – einem Juden!“*) schreibt Abdel-Al: “Wenn ich diese Huren jemals treffen sollte, wäre es mir eine Ehre - ich wiederhole, wäre es mir eine Ehre - der Erste zu sein, der Madonna und Britney Spears den Kopf abschneidet, sollten sie ihre satanistische Kultur, die gegen den Islam spricht, weiterhin verbreiten.“
Die Organisation ist hauptsächlich am Gazastreifen vertreten und für unzählige Schießereien und Bombenanschläge verantwortlich. Die Drohung wurde ausgesprochen, als Madonna und ihr Mann Guy Richie bekannt gaben, das jüdische neue Jahr mit rund 2000 anderen Kabbala-Anhängern in Israel zu feiern.
Steinigen oder enthaupten
Abdel-Al behauptet, er würde Madonna und Britney am Leben lassen, wenn sie zum Islam konvertierten. Sollten sie sich weigern, würden sie hingerichtet. Hinzu fügte er noch: "Wenn diese Huren weiter machen, mit dem, das sie jetzt machen, werden wir sie natürlich dafür bestrafen müssen. Aber zuerst werden wir sie fragen, ob sie dem Islam beitreten wollen. Wenn sie trotzdem so weitermachen, können wir sie steinigen oder sie köpfen. Was eben am besten passt, wenn sie weiterhin Männer verführen, um sie vom Islam fern zu halten. Eine prostituierte Frau muss gesteinigt werden oder 80 Mal mit einem Gürtel geschlagen werden.“
In dem Buch - verfasst von Aaron Klein - wurden mehrere muslimische Extremisten gefragt, wie es in den USA sein würde, wenn dort die Sharia gelten würde.
Eine geile Alternative: Islam oder Tod. Soviel zum Thema (Koranzitat!): Es darf in der Religion keinen Zwang geben.
Die Shariaauslegungist auch ziemlich seltsam - Steinigung oder Peitschenhiebe? Wie bitte?
Warum ausgerechnet Britney Spears? Ich mag sie ja auch nicht besonders, aber ich bezweifele, dass angeführter Islamist eine Aversion gegen sie auf Grund der Musik hegt. Vermutlich hält er sämtliche Musik für Teufelswerk.
Mir wäre es eine Ehre - ich wiederhole, eine Ehre - solche Extremisten an der Ausführung ihrer (kranken) Pläne zu hindern. Nicht weil sie ausgerechnet Madonna bedrohen. Sondern weil sie eine Gefahr für die Menschenrechte darstellen und auch noch den Islam in den Dreck ziehen.
*Der Titel ist ziemlich... reißerisch, hm?
** So populär sind sie wahrscheinlich gar nicht.
Almujadilah - 14. Sep, 21:12
Doch was ist aus der Sicht der Demonstranten an Amerika so schlimm? Ist es das weit verbreitete (reaktionäre) Christentum? Die verrücktheit der Bewohner, die auch Deutsche/etc. ihnen oft schaherzhaft attestieren? Das Sendungsbewusstsein, der Kulturimperialismus (hier solte man vor der eigenen Tür kehren)? Die Kriegstreiberei?
Ich verwende bewusst ein (rhetorisches) Fragezeichen, um mich eindeutig von dieser Haltung abzugrenzen. Wie CNNinternational, von dessem Programm dieses Still abfotografiert ist, dokumentiere ich nur eine politische Entwicklung.
Almujadilah - 14. Sep, 21:04
So wie vor einigen Jahren der Opferfeminismus vorherrschte, der mittlerweile durch von Selbstverständlichkeit geprägten Powerfeminismus abgelöst wurde, hat sich jetzt eine Art Opfermentalität unter Muslimen herausgebildet. (Diese Ideologien betreffen nicht notwendigerweise die selben sozialen Gruppen ;-) ) Diese hat sich – auf kultureller, nationalistischer, religiöser und global-politischer Ebene – zu islamistischer Paranoia weiterentwickelt und scheint jegliche Agitation sowie Eskalation zu rechtfertigen.
„Nicht rennen, nur nicht zu auffällig sein“, denke ich grimmig, den schwarzen Humor zu schätzen wissend, während mit einem schweren schwarzen Rucksack auf dem Rücken durch das komplizierte Gangsystem der Londoner U-Bahn eile, in einem hoffnungslosen Versuch, noch rechtzeitig die überfüllte Central Line zu erreichen. Ein Bombenattentat wäre wie immer extrem effektiv, doch das ist nicht was ich vorhabe. Die bloße Möglichkeit eines aufkommenden Verdachts ist auch Grund dafür, dass ich nicht schneller laufe. Mittlerweile müssten die tube-Sicherheitsleute zwar LTL-Bewaffnung (less-than-lethal, bedeutet Taser etc.) zur Verfügung haben, aber ich will nichts riskieren, man hat hier schon jemanden niedergeschossen. Immerhin bin ich verdächtig – nicht? Kopftuch, dunkle Hautfarbe, Rucksack, Nervosität. Smile, you're on CCTV. Wer wäre nicht aufgewühlt, wenn er sich durch Massen von Menschen wühlen müsste um nicht schon wieder zu spät zum Dinner zu kommen? Leide ich unter Verfolgungswahn? Es scheint so. Aber immerhin wurde ich am Frankfurter Flughafen sehr gewissenhaft überprüft. Im Namen der Demokratie beschwere ich mich nicht – ich wäre begeistert, wenn diese Kontrollmaßnahmen tatsächlich Attentatsversuche vereiteln. Nur habe ich irgendwie das Gefühl, dass Flugzeugentführungen ihren Reiz für Terroristen verloren haben. Diese Taktik hatte eine sehr kurze Halbwertszeit.
Am Kontrollschalter war ich noch versucht gewesen, etwas von den Vorzügen einer Kennzeichnungspflicht für Muslime zu murmeln, einer grüner Halbmond vielleicht anstatt eines gelben Magen Davids. Aber dafür wäre mir wieder Antisemitismus vorgeworfen worden – völlig ungerechtfertigt.
So stolpere ich also in das hellblau beleuchtete mit Telegraph- und Guardian-lesenden Pendlern vollgestopfte Abteil und atme auf. Ich habe keine Angst. Ich leide nicht unter kollektiver Paranoia. Ich werde kein Opfer sein. Und schon gar keine Bombe zünden
Almujadilah - 14. Sep, 13:12
Echt palästinensische Datteln (aus Fatah- oder Hamasgebiet?), zu zwei Euro für 5 Stück.
Schmecken sehr gut, angenehm süßlich. Überhaupt nicht nach Blut. Warum auch.
Almujadilah - 10. Sep, 19:52
Im Fernsehen lief ein Sonderbericht über den vereitelten Anschlag islamischer Terroristen in Deutschland. Dann brachte der Sprecher ein Argument, dass mich aufhorchen ließ. O-Ton: Die Sicherheitslage werde sich verschlechtern, da man durch die steigende Zahl der Konvertiten die Muslime und somit auch die Terroristen nicht mehr erkennen könnte.
Irgendwie ist solche "Logik" krank und paranoid, oder übertreibe ich?
Vielleicht sollte man doch eine "Kennzeichnungpflicht für Mohammedaner" einführen, einen grünen Halbmond oder eine Arabeske. Oder noch besser: Turban und Kopftuchpflicht für alle Muslime. Das wird ein Spaß. (Das klingt, als würde ich unter Verfolgungswahn leiden. Ignoriert es einfach.)
Vor einem Konflikt stehen alle sogenannten Moderaten: Verteidigen sie westliche Ideale, sind sie vor ihren Glaubensbrüdern nicht sicher, im entgegengesetzten Fall bekommen sie ein Problem mit dem Staat.
Ich bekomme bald eine Krise: Es gibt genügend Menschen, die sich moderate Muslime nennen, aber wo sind die moderaten Deutsche (in diesem Fall)? Ich unterstelle niemandem Rechtsextremismus oder ähnliches, solche Schwarzmalerei ist mir fremd. Wer lässt sich auf eine differenzierte Diskussion ein? Entweder darf ich mir von Nichtmuslimen anhören, was für ein toller Heilsweg der Islam doch ist, oder man belagert die Kanäle mit islamophober Polemik. Ich weiß, man soll nicht alles dualistisch sehen.
Auf Grund der Tatsache, dass man mich mit gutem Willen (zu Recht) für eine Muslima halten könnte, frage ich mich ernsthaft, ob ich mir Sorgen machen sollte.
Heißt das, dass ich weniger über Extremismus ironisch schreiben sollte? Irgendeiner versteht es ja immer falsch. Ich bin einmal gespannt, wer vor meiner Tür stehen wird: Kommissar Hintz mit Durchsuchungsbeschluss und SEK oder Bruder Mustafa mit Stirnband und Kalashnikov.
Almujadilah - 8. Sep, 06:19
{Die Einordnung des Kopftuches und koranischen Belege}
Um das Kopftuch rankt die neben dem Terrorpotenzial größte Kontroverse im Bezug auf den Islam.
Man erblickt auf dem Straßen Europas, Afrikas und Asiens eine Vielzahl verschiedener Tucharten: Man unterscheidet zwischen dem bunten, lockeren Schal, dem einfarbigen strenggebundenen Hijab (Kopftuch) oder dem praktischen Tuch einer anatolischen Bäuerin bis hin zu dem langen schwarzen Tschador (Ganzkörperbedeckung), Gesichtverschleierung mittels Niqab bzw. gar der Verdeckung der Augen mit einem besticktem Netz wie bei der afghanischen Burqa.
In der Diskussion werden die Grenzen verwischt, pauschal von Verschleierung gesprochen. Wir werden später sehen, dass es sehr wohl Differenzierungen in der Motivation gibt, die beispielsweise Hijabi- oder Niqabi-Schwestern haben.
Doch was qualifiziert im qur'anischen Sinne als Verhüllung?
Oft wird der arabische Begriff dafür nicht erwähnt, als hijab lediglich sieben Mal.
Eine göttliche Anweisung lautet: „Wenn ihr etwas Notwendiges von den Ehefrauen des Propheten zu fordern habt, tut dies hinter einer Verhüllung.“ Da hier die Gläubigen angesprochen sind, kann der Begriff Verhüllung nur im weiteren Sinne mit Vorhang übersetzt werden.
Im Qur'an heißt es dazu weiterhin: „ [sie sollen] ihren Busen mit einem khimar verdecken."(24) Khimar ist der arabische Begriff, für so gut wie alles, das aus Stoff ist – Tischdecken, Blusen, Taschentücher, Schals... Es muss also nicht, wie die gängige Vorstellung, Kopfbeckung bedeuten.
Diese Stelle bezieht sich auf die typischen Gewänder der damaligen Zeit, sie waren sehr tief ausgeschnitten. Es fällt auf, dass nicht vom Bedecken der Haare die Rede ist. Wenn dies Allahs Wille ist, besteht zur Verwunderung Anlass, denn er hätte es problemlos explizit offenbaren können. Er ist nicht auf einen Gelehrten angewiesen, der die entsprechende Bedeutung herausfindet.Weiterhin findet man laut einigen Übersetzern die Anweisung, „sie [sollen sich durch] ihr Übergewand bedecken, wenn sie aus dem Haus gehen. So werden sie als Ehrbare erkannt und es ist gewährleistet, dass man sie nicht belästigt.“
Die Tatsache, dass sie dieses Gewand sowieso tragen und nur u.U. modifizieren müssten, spricht gegen ein “richtiges” Kopftuch.
Diese Stelle kann jedoch auch anders übertragen werden, nämlich als “das Übergewand verlängern”, was sprachlich korekkter wäre. Allah schreibt wiederum NICHT vor, wie diese Verlängerung/Bedeckung zu erfolgen hat, ob knielang oder knöchellang. Dies ist hilfreich, um den Islam auch bei veränderten Gegebenheiten praktizieren zu können. Allah vergisst nichts.
Es gibt noch weitere Belege in Qur'an und Sunna für eine Kleiderordnung. So soll nur das unbedeckt sein, was nötig ist (meist reaktionär als Augen und Hände interpretiert), ebenso soll die awrah, Blöße nicht sichtbar sein. Leider ist dieser Begriff nicht einheitlich definiert. Er umfasst nach gängiger Meinung bei Männern den Unterleib, bei Frauen aber den gesamten Bereich von Wade bis Hals. Wenn für das Kopftuch argumentiert wird, zählt man auch Nacken und Haar dazu.
Nun ist es aber nötig, sich im Klaren darüber zu sein, dass auch für ältere (geschlechtsreife) Kinder gilt, dass sie nicht die awrah ihrer Eltern sehen sollten.* Hier wird deutlich, dass nur die Geschlechtsmerkmale gemeint sein können, alles andere wäre krankhaft paranoid und inkonsistent, da der Islam eine praktisch-pragmatisch orientierte Religion sein sollte. *(Auch vor nicht muslimischen FRAUEN soll die Scham einer Muslima verborgen bleiben.)
In einer Hadith (Erzählung vom Leben des Propheten) wird erwähnt, dass die Frauen einer Stadt nachdem sie Muhammads Anweisung zur anständigen Kleidung hörten, ihr Gewand über sich zogen, so dass sie wie Krähen aussahen. Dieser Vergleich scheint für die Burqa zu sprechen, wer schon einmal eine alte Iranerin gesehen hat, kann sich den Parallelen nicht entziehen.
Laut zahlreicher religiöser Autoritäten ist das Missachten der islamischen Kleiderordnung haram, also verboten. Um sich die Schwere dieser Einstufung vor Augen zu führen ist es wichtig zu wissen, dass es fünf Niveaustufen für Handlungen gibt. Haram ist die unterste, sie ist äußerst negativ für den Gläubigen. Doch es ist nicht klar, ob das Nichttragen eines Kopftuches auch darunter fällt.
Eine weitere Überlieferung (al-Bukhari von Aisha) besagt, dass die Frauen nach der Verkündung dieser Regel ihre Kleider zerrissen und mit den Stoffstücken Kopf und Gesicht bedeckten. Ein Fall von anfänglichem Übereifer?
Nun sollten wir nach dem tieferen Sinn dieser Verhüllung fragen.
Ist die Muslima nicht unverrückbar die Andere? Wird nicht ihre Objekt- und Opferposition zementiert? Wird sie nicht eingeengt und in die Unterwerfung, nicht nur unter Allah, sondern auch unter ihren Ehemann gezwungen?
Die zentrale Frage lautet: Ist eine Verhüllung obligatorisch und wenn ja, in welchem Umfang?
Es zeigt sich, dass es an dieser Stelle noch keine eindeutige Antwort geben kann, da der Qur'an zahlreiche ambivalente Aussagen beinhaltet. Weshalb jedoch ist das heilige Buch der Muslime dermaßen uneindeutig? Ist es etwa nicht zuverlässig?
In explizit muslimische Argumentation übertragen, gibt es folgenden Einwand: Allah hat als allwissende Existenz zu jeder Zeit gewusst, was aus seiner Schöpfung wird - und bereut es nicht, wie beim christlichen Gott der Fall. Er hätte gewusst, dass der eine Hälfte der Muslime zum Kopftuch notfalls mit Gewalt verpflichtet, die andere es verbietet. Seine Botschaft muss also eindeutig sein, wenn sie erst einmal vom kulturellen Kontext gelöst wurde. Warum sollte Er unklare Anweisungen herab senden? Natürlich können über Jahrhunderte Veränderungen aufgetreten sein – entweder ideologisch motiviert oder durch Überschätzung der Gedächtnisleistung der frühen Gläubigen.
Atheisten werden natürlich die Vorstellung eines omnipräsenten Gottes per se ablehnen.
Bevor muslimische Mitleser jedoch protestieren möchte ich einwenden, dass der Prophet laut Überlieferung meinte „Hinweg mit denen, die später Verfälschungen einführen.“ Dies muss sich nicht auf illegitime Glaubensreformen beziehen, sondern gerade auf die Interpretationen, die dem Geist des Islam entgegenstehen.
Doch hier taucht der gefährliche Begriff der Kultur und Tradition auf. Darauf werde ich in späteren Teilen eingehen. Soviel sei dazu hier gesagt: Man kann Praxis und Theorie, Kulturkreis und Religion nicht eindeutig trennen. Der kollektive Hintergrund reicht nicht als Erklärung oder Entschuldigung aus.
Doch eine Frage kann beantwortet werden (obwohl wir ihre Implikationen erst später erfahren werden), nämlich die nach dem Symbolgehalt jeglicher Verschleierung. Das Kopftuch ist nicht mit dem christlichen Kreuz vergleichbar, obwohl oft konträres behauptet wird. Es ist ein teilweise individuell bestimmbares Element der Kleiderordnung und hat weder religiösen noch sonstigen Signalcharakter, obwohl wie schnell deutlich wird, es mit politischen und gesellschaftlichen Implikationen variierender Ideologien aufgeladen ist.
Kommende Beiträge:
2.Dass sie ihre Scham hüten
{Die geschichtlichen und religiösen Hintergründe des Kopftuches}
3.Dass sie den Blick abwenden
{Das Unterdrückungspotenzial und die Machtfrage „Was nützt wem“}
4.Demut in Zeiten des Überflusses
{Die Anziehungkraft der „Ablehnung der Nacktheit“}
5. Fereshta Ludin und die Jungen Liberalen
{Die Macht der Konvertiten}
6. Gewalt und „dieses Stück Stoff“
{Westliche Apologetik}
7.Fazit
{Was es bedeutet Kopftuchträgerin zu sein}
Almujadilah - 7. Sep, 20:24

Da hat wohl jemand nicht ganz aufgepasst. Vielleicht sollte man diese Formulierung noch einmal überdenken. Gut, welche Autoriät bin ich schon für die deutsche Sprache, als Ausländerin...
Eines vornweg: Monrose ist überhaupt nicht meine Richtung.
Erwähnenswert finde ich, dass sich Bahar und Senna als gläubige Musliminnen bezeichnen.
Dabei ist Letztere ein wenig Ghetto-Girl, was in diesem Zusammenhang unfreiwillig komisch wirkt.
Bahar dagegen schließt nicht aus, in naher Zukunft das Kopftuch zu tragen. Ich finde diese Einstellung seltsam, denn für mich geht die Verhüllung nicht mit einer Berufung von außen einher.
Gut ist aber, dass sie sich nicht dem Nacktheitsgebot der Medienwelt beugen wollen.
Natürlich urteile ich keinesfalls über Religion und Lebensweise Andere.
Dazu ein amüsantes Video - das kommt dabei heraus, wenn man Synkretismus und ökumene ernst nimmt.
http://www.youtube.com/watch?v=F-aqByrNmEQ&eurl=http%3A%2F%2Fwww%2Ewischns%2Ede%2Findex%2Ephp%2Fmjusick%2Fes%2Dgibt%2Dnur%2Deinen%2Dgott%2Ddas%2Dmonrose%2Dvideo%2F85
Almujadilah - 7. Sep, 19:43
Natürlich gehen auch muslimische Ehepaare Essen. Und natürlich, da auch wir keine erwachsenen Kinder zur Welt bringen, braucht man dann einen Babysitter für die Kleinen.
Viele wünschen sich ja einen Sohn als Erstgeborenen. Aber das ist sehr unökonomisch, ja ineffizient gedacht. Töchter sind viel praktischer, im buchstäblichen Sinne. Die Mutter hat eine Haushaltshilfe, und man(n) muss nicht mehr auf Polygamie zurückgreifen, wenn die Frau jemand zum Reden oder zur Unterstützung möchte.
-------
Wenn man dann nun klugerweise eine älteste Tochter hat, steht den Ausgeh-Plänen nichts im Weg.
Klein-Leyla ist eigentlich ein sehr unkompliziertes Kind, wie auch meine anderen Geschwister. Rasheed sitzt den ganzen Tag auf dem Bett, liest (populär)wissenschaftliche Physikbücher und macht dabei ein unglaublich ernstes Gesicht für einen Zwölfjährigen, ich nehme an er wird einmal Teilchenphysiker, während Faysal - wunderbar pubertäre 14 - am liebsten Computer spielt. Ich fürchte, der damit verbrauchte Strom wird der größte Posten auf der Nebenkostenabrechnung sein.
Der Wetterbericht ist gerade zu Ende und ich beschließe, einmal nach dem Rechten zu sehen.
Leyla, mit der ich ein Zimmer teile, sitzt über ein Buch gebeugt auf dem Boden. Erstaunlicherweise trägt sie bereits einen Schlafanzug. Sie scheint die selben Gene wie ich geerbt zu haben, denn ihr kommt jegliches Temperaturempfinden abhanden. Das ist aber sehr gut, denn so brauchen wir mein Zimmer kaum zu heizen. Andererseits hat sie einen extrem niedrigen Blutdruck, so dass ich sie schon manchmal morgens neben ihrem Bett gefunden habe. Sie sollte einfach nicht so schnell aufstehen, das sage ich ihr jedes Mal. Sie kommt, was das Lesen betrifft, nach ihrem älteren Bruder. Moment einmal...Was kann ein Vorschulkind schon lesen? Anscheinend hat Leyla das selbst bemerkt, denn sie schaut mich verzweifelt an. Selbst schuld, wenn sie versucht, Effi Briest zu lesen, meine aktuelle Schullektüre. Also gehe ich mit ihr noch einmal die Buchstaben durch, wir lesen gemeinsam einige Seiten eines vollkommen sinnlosen Kinderbuches. Als Baby hat sie die ganze Zeit geschrieen, vielleicht hat ihr die Fahrt von England nicht gut getan, ich weiß es nicht.
Ich werde schon müde, wenn ich an diese Episode denke. Auch Leyla, deren Name Nachtblume bedeutet, was den Titel des Beitrages erklärt, fallen die Augen zu und ich muss das dünne Kind wieder einmal ins Bett tragen. Ich glaube nicht, dass ich dem Alter auch aussah wie ein Kriegsflüchtling. Hoffentlich nimmt sie bald etwas zu, wählerisch beim Essen ist sie ja nicht.
Aus Faysals Zimmer dringen lautere Geräusche. Ein Computerspiel, wie konnte es anders sein. Nur handelt es sich nicht um ein harmloseres Strategiespiel, sondern um einen Shooter. Einige muslimische Experten verdammen Fernseher und Computer als Portale für die teuflischen Jinns. Als auf dem Bildschirm meines Bruders wieder Blut aufspritzt, bin ich sogar geneigt ihnen zu glauben.
"Wie lange willst du noch spielen?" frage ich ihn, in einem Versuch versöhnlich zu sein. Es fuktioniert wider Erwarten, er wird nicht agressiv.
Möglicherweise reicht ja das Aggressionspotenzial des Spiels. Oder er ist zu abgelenkt um zu diskutieren.
"Bis ich müde bin." Ich höre Erschöpfung aus seiner Stimme. Ego-Shooter sollen bei Chirurgen die Feinkoordination verbessern, heißt es. Faysal wird allerdings wohl kein Arzt.
"Wie heißt das Spiel?"
"Call of Duty" Beruhigend. Ohne Jugendfreigabe: Noch nicht mal ich könnte es regulär kaufen. Nicht, dass ich das Bedürfnis hätte.
"Es ist ab 18, stimmts? Glaubst du wirklich, du solltest diese Menschen virtuell erschießen?" Er murmelt was von einem Auftrag.
"Und wer hat dir diesen Auftrag erteilt? Ein fiktiver General. Möchtest du ein Söldner sein, Faysal? Möchtest du im Dreck liegen und Menschen abknallen? Was denkst du, was die Soldaten im Libanon gemacht haben, im Irak, du weißt es!"
Er dreht sich herum, sieht mich mit großen Augen an. Es ist wunderbar, dass er Respekt vor seiner großen Schwester hat.
"Aber was sagt Allah dir? Frieden, befiehlt er!" Ich bin zu müde, um irgendwelche Suren zu zitieren ("Wer einen Menschen tötet, dann ist das wie das Töten der gesamten Menschheit").
Faysals Augen weiten sich noch mehr. Er dreht sich wieder zum Bildschirm, doch anstatt weiterzuschießen, beendet er das Programm.
"Ich werde um Vergebung bitten."
"Ja, das solltest du wohl. Vergiss nicht, deinen Freund mit einzuschließen, der dir das Spiel geliehen hat. Und wasch dir die Hände."
Als ich mich umblicke, sehe ich Rasheed auf seinem Bett tief und fest schlafen, ein Buch aufgeschlagen auf seinem Bauch. Es ist fast ein Wunder, dass er bei dem Lärm schlafen kann.
Es ist so einfach. Manchmal aber auch nicht.
Almujadilah - 6. Sep, 15:23
Die Tür zu Rasheeds Zimmer steht offen. Sein Spielzeug liegt auf dem Boden verstreut, wie immer. Das ist verdächtig, nicht wegen der Unordnung, sondern weil er nicht drin ist. Aus dem Bad dringt ein seltsames Gluckern an mein Ohr. Ich stoße die Glastür auf, Brüderchen erschrickt, quiekt, lässt den nassen Sack in seiner Hand in die Dusche fallen. Mein Blick wandert zu dem dunklen, schweren Stück Stoff. Ein Gedanke schießt durch meinen Kopf, ich kann das Etwas identifizieren. Es ist einer der Gebetsteppiche. Ich mache hektisch einen Schritt vorwärts, um meinen Bruder an der Schulter zu fassen. Er beginnt zu weinen. Ich fische den Teppich aus der überquellenden Wanne - das erklärt, warum langsam das Wasser durch meine Socken dringt - und begutachte ihn vorwurfsvoll. Wenigstens ist es nicht der teure und antike, der uns mal geschenkt wurde, sondern einer der neuen, wahrscheinlich aus Massenproduktion, aus Bangladesh oder Indonesien, wie ich meine. Aber Gebetsteppich ist Gebetsteppich. Der hier ist schmutzig - ich nehme nicht an, dass Rasheed ihm das Schwimmen beibringen wollte - und, vielleicht noch schlimmer, befindet sich im Badezimmer. Es ist nicht unbedingt religiös erwünscht (was für ein Euphemismus...), heilige Dinge (Qur'an, Schmuck mit Suren darauf, Teppiche etc.) in einen so unreinen Raum wie das Bad zu bringen. Natürlich ist das Bad nicht schmutzig per se (beispielsweise wenn meine Mutter es geputzt hat - ähm, ein Scherz, ihr versteht?), sonst hätte ja eine rituelle Waschung wenig Sinn. Jedenfalls, wir standen im Bad, der Junge triefend vor Tränen, der Teppich triefend vor Nässe und Schampoo.
"Was hast du gemacht, Rasheed? Was soll der Unsinn?" Ich war so aufgebracht, dass ich ins Arabische zurück fiel, was eigentlich sehr paradox ist, da ich es seit meinem achten Lebensjahr nicht mehr gesprochen habe. Vor Kurzen habe ich angefangen, mein Vokabular zu verbessern, mit 7 konnte man eben noch nicht so viel über Kunst und Wissenschaft reden, mit dem Erfolg, dass es sich mindestens um den Begriff für "Ungläubiger" erweitert hat.
"Ich habe...ich...ich habe Kakao verschüttet..." Er ist, wenn er nicht angeben muss, ein sehr liebenswürdiger, zarter Junge. Nun hat er es eben geschafft. Ich fürchte, er könnte auch in Mekka eine Massenpanik auslösen. Vielleicht nicht mit Schokomilch, aber wer weiß...
"Komm, ich gehe in die Küche und du wischst hier auf."
"Das geht nicht, das Waschbecken ist voll."
"Bist du nicht dran mit Geschirr wegräumen...? Oder ist dir der Kakao in den Weg geraten?"
Er murmelt irgendetwas unverständliches, vielleicht türkisch, hebräisch, Hindi oder irgendeine andere Sprache, die ich nicht verstehe. Vielleicht war es auch nur Verlegenheit.
Nun mussten wir uns beeilen. Ich schrubbe den Teppich, während Rasheed das Bad wischt. Der Kakaofleck geht raus, mein Brüderchen ist weniger erfolgreich, besonders weil das Schampoo viel Schaum bildet. Wir lassen das Aufräumen also sein und begeben uns auf den Balkon, um die Gebetsunterlage mit Priorität sowie sämtliche Badvorleger trocken zu föhnen. Natürlich riecht es nach drei Minuten verbrannt, diese dummen Kaffeeherstellerföhne taugen nichts.
Rasheed beseitigt das Chaos, räumt den kaputten Geschirrspüler ein (Hoffnungen muss man haben!).
Dann höre ich laute Musik aus dem Zimmer der Jungen. Typisch.
Und wenn Mutter nach ihrem Föhn fragt, ich war es nicht. Taugt nichts, die Billigware.
Aber das Schampoo, das ist klasse. Der Teppich ist sauberer denn je.
Hoffentlich bekommt der Nächste, der darauf niederkniet, keine nassen Beine.
Almujadilah - 3. Sep, 06:11
Bevor man sich über diese Titelgebung aufregt, möchte ich auf die Redefreiheit hinweisen, die auch für Menschen wie mich gilt. Wirklich. Ich beabsichtige übrigens nur, Gedanken zu provozieren und nicht, religiöse Gefühle zu verletzen.
Ich möchte nun im Folgende erläutern, was ich mit „seltsam“ meine.
In der heutigen Zeit verlangt jeder nach Dialogen. Ich möchte nicht implizieren, dass Integration/Islam das größte aktuelle Problem darstellt, aber es ist der wichtigste Punkt, der sich aus der Globalisierung ergibt, über den man tatsächlich auf sachlicher, aber emotionaler Ebene diskutieren kann. Mit Tsunamis lassen sich schlecht Unterhaltungen führen und die Klimaproblematik ist ein naturwissenschaftliches und politisches Thema, kein primär historisch und gesellschaftspolitisches.
Der vorhandene „Dialog“ - Monolog wäre die passendere Bezeichnung – findet ausschließlich zwischen Muslimen (die entweder geschulte traditionalistische Redner sind oder modernistische Säkularisten) und Vertretern des christlichen Abendlandes statt. Der Haken dabei: Letztere gehen immer auf eine defensive Position, was einerseits die Europafürsprecher schwächt und weiterhin der muslimischen Gesellschaft die Rolle der Angreifer oder Eindringlinge zuweist, was sicherlich in gewisser Hinsicht angebracht scheint.
Durch die ganze selbstkritische Reflexion nehmen sich Christen jedoch die eigenen Argumente.
Da muss man sich nicht mehr wundern, warum Muslime argumentieren, dass „Christen ja gleich konvertieren“ könnten, da sie das Christentum als verfälschte Variante der "einzigen" Religion ansehen.
Dabei ist es äußerst wichtig zu realisieren, dass wir uns nicht über unsere Andersartigkeit definieren dürfen; wir sollten uns nicht darauf konzentrieren, was uns trennt. Denn verschiedene Völker, Kulturen (und Religionen?!) wurden geschaffen, damit „ihr einander erkennen lernt.“ [Qur'an]
So irritierend diese Gedanken für mich sind, denn „eigentlich“ sollte ich ja Annäherung an den Islam befürworten, ist ihre Wahrheit nicht von der Hand zu weisen. Das Besorgniserregende ist der politische Mechanismus, der hinter dieser Entwicklung steckt.
Wann sind Muslime einmal selbstkritisch?
Dialogrunden verwandeln sich meist wie von selbst in Missionsveranstaltungen – durch das Sendungsbewusstsein der Muslime und das Nachgeben der Christen. Manchmal ist es nicht sinnvoll, wenn man die andere Wange hin hält. Veranstaltungfüllend referien die Konvertiten oder Imame dann, wie wunderbar und friedlich der Islam doch ist. Leider reden sie damit am Thema vorbei. Weit vorbei. In qualifizierten Diskussion können beide Seiten ihre Sichtweisen darlegen sowie verteidigen und auf Basis dieser Argumente Kompromisse oder Lösungen finden. Diese Dynamik fehlt hier.
Wir (die Muslime) können Kritik von außen nicht ertragen (Muhammad-Karikaturen), schimpfen auf den „Westen“ (dessen Gastfreundschaft und Menschenrechte wir genießen und von Zeit zu Zeit ausnutzen) und verbrennen dessen Flaggen (die resultierende Gewalt ist dann weniger harmlos); innere Kritiker müssen um ihren Platz in der Gemeinschaft oder gar ihr Leben fürchten.
Natürlich ist auch solche Angst-geprägte Hasspolemik gegen den Islam durch Gruppierungen wie Pax Europa (nur ein harmloses Beispiel) weder angebracht noch akzeptabel.
Christliche Werte (die doch oft mit humanistischen und islamischen Werten übereinstimmen) können meist der modernen Gesellschaft nicht schaden. Diese (Religiosität, Nächstenliebe, Liebe auf Gegenseitigkeit und Respekt basierend) müssen keinen absoluten konservativen Gegensatz zum Liberalismus mit seinen Nebenerscheinungen wie Atheismus, Egoismus und Pornografie darstellen.
Seltsam, das aus meinem Munde zu hören, wie? Ähnlich paradox ist die Selbstherabsetzung der Christen.
Almujadilah - 2. Sep, 05:05
Ich erkläre einem gleichaltrigen Bekannten etwas über den Buddhismus, in Vorbereitung auf einen Test. Plötzlich meint er:
„Woran glauben eigenlich die Islamisten?“
„Was meinst du damit? “
„Na, solche wie du.“
[Zynismus_Modus ein] Derartige Aussagen sollten zum Nachdenken anregen. Solche Unterstellungen sind gefährlich. Ich bin beunruhigt. Besonders, da er ausgerechnet mich fragt. Momentan plane ich nämlich keine Suizid-Attentate (zu feige und zu schlecht in Chemie) oder Anschläge (keine U-Bahn in der Nähe und zu viel Abi-Stress). Ich gehe davon aus, das meine Leser die nötige Portion schwarzen Humor besitzen, um den vorangegangenen Satz einordnen zu können. Ich will nicht das BKA vor der Tür stehen haben. Da haben sich schon die „Erwachet“-Christen eingenistet. In meinem Schrank finden sich maximal alte Socken und eine beachtliche Khimar-Sammlung. Keller haben wir auch keinen. Weiterhin war ich noch nie in Afghanistan oder Pakistan.
„Islam – Islamisten, wie heißt das sonst?“
„Erm...“ (Denkpause) „meinst du Muslime?“
„Achso ja. Genau. Woran glauben die?“
Wahnsinn. Gemeinschaftskunde Eins, setzen.
Solch ein umfangreiches Wissen über die Welt und politische Situation ist erstrebenswert.
Almujadilah - 1. Sep, 05:22

Klein, kompakt, scharfsinnig.
Almujadilah - 31. Aug, 20:38
Almujadilah - 31. Aug, 20:36
Durch meine Augen gesehen - stellt zwei neue Rubriken in diesem Blog dar. Hier sollen Einblicke gewährt werden, durch Bilder, nicht durch Worte, fixiert. Besonders konzentriere ich mich auf Formen und Muster, die ich in meiner Umgebung finde. Die Schönheit und Skurrilität des Alltag sind dabei wichtigste Motivgruppen, die nicht unbedingt kompositorisch ausgefeilte Anblicke von Landschaften o.ä. zeigen. Manchmal muss man sich zwischen Form und Botschaft entscheiden. Im Gesamtwerk muss das Verhältnis zwischen diesen beiden Extremen jedoch ausgewogen sein.
Weiterhin gibt es ein Fotoalbum, das die Ergebnisse meines "muslim-spottings" beinhaltet, also wo begegnet man Muslimen/dem Islam im Alltag?
Und nein, keine Nacktfotos ;-)
Ich möchte euch noch einmal um eure Kommentare, Diskussionsansätze oder Fragen bitten. Habt ihr Verständnisprobleme, möchtet ihr bestimmte Dinge erläutert wissen? Trotz aller Offenheit lebe ich in meinem Kontinuum, habe meine Sichtweise. Ich möchte mit meinen Lesern interagieren und disputieren können. Ich brauche eure Ansichten und Probleme, um die Sachlage umfassend beleuchten zu können! i_think@web.de
Almujadilah - 31. Aug, 20:18
Nein, ich verbringe nicht ein Fünftel meines Tages im Gebet. Aber auch nicht in der Disco. Ich habe vor kurzen in einem Studentenmagazin von einem Muslim gelesen, der eben ersteres Tag für Tag tut*. Beeindruckend, aber nicht für praktikabel befunden. Wann lernt dieser Mann eigentlich für sein Studium?
Jedenfalls, da ich schon mehrmals gefragt wurde, und man mich immer mit runden Augen bestaunte, weil er ZDF jetzt ein Info-Forum über den Islam hat (siehe Beitrag morgen) und weil jede zweite TV-Doku Immigrantenfamilien zu begleiten scheint: Interessiert sich irgendjemand (außer mir selbst) für meinen Tagesablauf? Vielleicht spannender als die allseits beliebten Stöckchen über Bettzeug, Kaffeetrinken oder Bücher.
5:00 Aufstehen, Anziehen, Waschen
5:30 Wu'du (rituelle Reinigung für das Gebet), sal'at (obligatorisches Gebet), du'a (freies Gebet)
6:15 Kümmern um Haushalt und Geschwister
6:45 Vorbereitung des "Pausenbrotes" (1 Stück Obst, 1 Portion Salat, 1 Vollkornbrötchen mit Butter oder Nussmus) für Vater und Geschwister
6:55 Frühstück (Grieß, Obstsalat oder Müsli)
7:30 Schulbeginn
12:10 Mittagsgebet auf dem Schulhof (ein wenig unangenehm)
14:30 Hausaufgaben
16:00 Hilfe im haushalt/bei Hausaufgaben der Jüngeren
17:30 Kurse an der Volkshochschule oder Lernen
19:30 kombiniertes Nachmittags und Abendgebet, falls ersteres verpasst (halal = erlaubt)
20:00 Abendessen (etwas traditionelles, wenn meine Mutter kocht, etwas unter Vorbehalt genießbares, wenn ich koche)
20:45 Lernen
22:45 Nachtgebet (manchmal schlafe ich dabei ein, aber das ist den muslimischen Vorvätern/müttern laut Überlieferung auch ab und an passiert)
*Ein grund zum Aufatmen: Dieser Mann hat garantiert keine Zeit für fundamentalistisches Gedankengut. ;-)
Almujadilah - 31. Aug, 19:29
Prolog
"Eine Frage vornweg, Schwester, trägst du das Kopftuch oder nicht?"
Ja, das ist eine subtanzielle Frage. Und in jedem Falle wird man Ausreden finden müssen.
Es gibt sicher genauso viele (und schwerwiegende) Argumente für die Verhüllung wie für die Gegenposition.
Doch bei der Erörterung kommt es auf die Sichtweise an.
Auch ich kann eigentlich nur subjektiv schreiben. Dennoch werde ich alle Sichtweisen beleuchten. Nun werde ich mich der Frage unterziehen müssen: Was ist mein Standpunkt, wie handhabe ich es? Doch im Unterschied zu sonst wird meine Praxis ganz am Ende enthüllt werden.
Dies ist der Auftakt zu der ausführlichen Serie >>Enthüllungen<< über das Kopftuch (zu finden unter "Unveiling"), die ich euch zu lesen sehr ans Herz lege. Ich würde mich über Verlinkungen wirklich freuen.
Es wird jeden Freitag (pünktlich nach dem Nachmittagsgebet*) einen neuen Beitrag geben.
1.Dass sie ein Tuch über sich schlagen
2.Dass sie ihre Scham hüten
3.Dass sie den Blick zu Boden wenden
4.Fereshta Ludin und die Jungen Liberalen
5.Erhöhung in Zeiten der Demut ODER Wie neu geboren
6.Gewalt und "dieses kleine Stück Stoff"
7."Es ist meine Entscheidung"
8. Fazit
*Übrigens, ein kuriosum: "Bei der Festsetzung [der Zeit] des Nachmittagsgebets (arabisch: °asr, türkisch: ikindi) [herrscht] keine einstimmige Meinung. Am weitesten ist die Anschauung verbreitet, sein Beginn sei dann gekommen, wenn der Schatten eines senkrechten Gegenstandes gleich sei der Schattenlänge zu Mittag zuzüglich der wahren Länge dieses Gegenstandes. Die hanifitische Rechtsschule hingegen lehrt, erst wenn der Schatten eines Gegenstandes gleich der doppelten Länge des Gegenstandes zuzüglich der Schattenlänge zu Mittag sei, sei die Zeit des 'asr erreicht." ABM für Muslime. ;-)
Almujadilah - 31. Aug, 19:01
Momentan ist der Header ein wenig gewöhnungsbedürftig. Das wird noch geändert, inshallah. Es scheint nicht ganz mit rechten Dingen zu zu gehen:
Ich habe Version hochgeladen, war verzerrt, wurde also wieder gelöscht. Version 2 hätte funktionieren müssen, wurde hochgeladen - aber erstaunlicherweise zeigt es IMMER die erste Variante an.
Ich wäre für euer Feedback dankbar (vielleicht liegt es ja nur an meinen Anzeigeoptionen etc.).
EDIT: Es hat, alhamdulillah, funktioniert!
Almujadilah - 31. Aug, 18:56
Ein etwas ältere* Meldung, aber sie ist so skurril, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte.
Am iranischen "Tag der Lehrer"** wollte der Staatspräsident Ahmadinedjad seiner ehemaligen Lehrerin (die mittlerweile auch schon ziemlich alt sein dürfte, denn er ist 50) eine Ehre erweisen und - in einem Land, in dem sich unterschiedlicher Geschlechter nicht die Hand geben dürfen - umarmte sie und küsste sie auf die Hand.
Oh Gott, was für ein Affront***. Die klapprigen Mullahs sind bestimmt von ihren Gebetsteppichen gekippt.
Ein Aufschrei ging durch das "Land" (zumindest in Hardlinerkreisen), nicht zu vergleichen mit der deutschen Belustigung nach Bush's Massege-Avancen an Kanzlerin Merkel.
Wobei mir Ahmadinedjad immer als jemand vorkam, der seine Lehrerinnen (besonders wenn sie unverschleiert wären) eher erschießen (lassen) würde als sie umarmen.
* Spiegel 14.05.07
** Nicht zu verwechseln mit deutschen Lehrertagen, an denen Seminare zu Motopädie und ADHS abgehalten werden.
***Nun entzieht sich mir aber vollkommen der Grund für dieses Gesetz, denn glaubt irgend jemand ernsthaft, man könnte in so einer Situation sexuelle Gefühle bekommen?
Almujadilah - 31. Aug, 16:59
Nur diesmal ist es
christlicher.
Wenn diese Teens das Kreuz nehmen würden, wie sieht es dann mit Bomben aus?
Almujadilah - 25. Aug, 10:56